Kohlhiesels Töchter

Volksstück von Jörg Doppelreiter und Hanns Kräly

Inszebnierung und Fassung: Stückwerkstatt Schimmert

Premiere:

Do 23.Mai 2019, 20 Uhr

 

Weitere Vorstellungen:

23. / 25. Mai, 15. / 22. / 27. / 28.  / 29. Juni, 6. / 12. / 13. / 18. / 27. Juli auf Burg Leuchtenberg

29. Juni in Speinshart, Wieskapellenvorplatz

immer um 20 Uhr

Zusatzvorstellung: 13. Juli 16 Uhr

 

Spielort:

Burg Leuchtenberg bei Weiden

Burgweg 10

92705 Leuchtenberg

 

Karten und weitere Infos unter: https://www.landestheater-oberpfalz.de/inszenierung/kohlhiesels-toechter/

Fotos: Jochen Schwab

Kohlhiesels Töchter sollen unter die Haube. Doch bevor die charmante Liesl zum Traualtar schreiten darf, muss ihre kratzbürstige Schwester Susi an den Mann gebracht werden. Das ist der letzte Wille der verstorbenen Mutter. Eine Heiratsannonce setzt eine Verwechslungsrochade in Gang, bei der man bald nicht mehr weiß, wer um wen wirbt.

 

Mit Humor und Witz zeigt das an den Bauernschwank von Hanns Kräly und dessen legendäre Verfilmung mit Liselotte Pulver angelehnte Volksstück von Jörg Doppelreiter, wie zwei ungleiche Schwestern ihr Lebensglück finden – jede auf ihre eigene Art und Weise.

 

Kritik auf onetz vom 24.05.2019

von Holger Stiegler

 

Susi fährt die Krallen aus

 

Derb, brüsk, unhöflich, kräftig und schlecht angezogen: Die Susi Kohlhiesel ist nicht gerade die Frau, der die Männerherzen zufliegen. Sie tut auch wirklich alles dafür, dass man ihr am besten aus dem Weg geht. Überspitzt könnte man sie wohl als „Bauerntrampel“ par excellence bezeichnen. So begegnet schon Liselotte Pulver in den 1960er Jahren in der Ambesser-Verfilmung dem Publikum – und so macht es auch „Susi“-Darstellerin Sophia Scherm in der Inszenierung von Nicole Schymiczek (Bühne: Peter Engel; Kostüm: Eva Schwab) – bei der LTO-Premiere am Donnerstag auf Burg Leuchtenberg.

 

Die Susi ist der Dreh- und Angelpunkt des Stückes, mit der adäquaten Darstellung der Figur steht und fällt eine Inszenierung – und Sophia Scherm – eine „Bilderbuch-Susi“ – überstrahlt mit ihrer Gestik, ihrer Mimik und ihrer Körpersprache ein eh’ schon äußerst harmonisches und wohlgefälliges Ensemble.

 

Und warum ist diese Susi so wichtig? Nun, die Geschichte ist überschaubar und rasch erzählt: Gastwirt Zacharias Kohlhiesel (fast an seiner Tochter verzweifelnd: Gerhard Wölfel) hat zwei Töchter, zu deren Erbe auch mehrere hundert Hektar Land gehören. Zwei gute Partien also. Die eine, Liesl (augenscheinlich brav, doch voller Koketterie: Sophia Janner), ist wohlgeraten und kann sich vor Verehrern kaum retten; und die andere ist eben Susi, die immer etwas auf Krawall gebürstet ist.

 

Doch es war der letzte Willen der Mutter Amalia, dass Liesl nicht vor Susi heiraten darf. Das ist für den Witwer und beide Töchter bindend; und so geht’s darum, wie man die eine, irgendwie an irgendeinen willigen Mann bringen kann. Wichtig dafür ist eine vom Vater aufgegebene Heiratsanzeige im „Leuchtenberger Kurier“ – das Geschehen des Stücks konnte problemlos in die Oberpfalz verlegt werden –, die allerdings als Doppelannonce mit der Suche nach neuem männlichen Personal erscheint, die wiederum Susi aufgegeben hat. Dass dies im Gesamtpaket jede Menge Komplikationen, Verwechslungen und absurde Situationen mit sich bringt, lässt sich leicht vorstellen.

 

Verehrer gibt es letztlich drei verschiedene, wobei deren Zuneigungen zu den beiden Schwestern auch gewissen Variationen unterliegen: Da ist zum einen Rolf, der es allerdings in erster Linie auf die Mitgift abgesehen hat, und dem es völlig egal ist, wen er ehelicht – er geht nach allen Seiten hin leer aus. Florian Weber übernimmt diese Rolle mit Bravour, sorgt für einen rasanten Fahrrad-Stunt und darf auch seine Bauchmuskeln zeigen.

 

An Körpereinsatz und Stürzen – mal vom Stuhl, mal wird er vom Tisch geworfen und auch Stufen können tückisch sein – übertrifft ihn nur David Endress. Er mimt Liesls Jugendfreund Toni, der diese unbedingt heiraten will, letztlich aber doch die Vorzüge von Susi entdeckt und sich tatsächlich in sie verliebt. Und dann ist noch Student Peter (Adnan Barami), der die richtigen Fäden spinnt, um Liesl alleinig für sich zu gewinnen.

 

Nach vielen Verwicklungen und Auf und Abs in den zwischenmenschlichen Beziehungen – Zacharias Kohlhiesel bringt es auf den Punkt mit seiner Einschätzung „Der Untergang Karthagos ist ein Dreck dagegen“ – gibt es ein Happy-End, für das Susi – animiert von ihrer Schwester Liesl – ein wesentliches Charakteristikum der Männerwelt ausgenutzt hat: „Männer können besser schauen als denken!“.

 

Damit kann dann auch der Geist ihrer Mutter Amalie (zum Gruseln komisch: Andrea Kleber) zufrieden sein, die immer wieder aus dem Nebel aufsteigt und das Geschehen mal mit Sorge, mal mit Freude beobachtet. Mit ganz viel Applaus wurden die Akteure auf und hinter der Bühne für ihre Leistungen bedacht. Denn man muss kein ausgewiesener Volkstheater-Fan sein, um diese herrliche Inszenierung zu mögen.

 

Quelle: https://www.onetz.de/deutschland-welt/leuchtenberg/susi-faehrt-krallen-id2733492.html

 

Kohlhiesels Töchter - Das Ensemble

 

Zacharias Kohlhiesel: Gerhard Wölfel

Susi Kohlhiesel: Sophia Scherm

Liesl Kohlhiesel: Sophia Janner

Peter: Adnan Barami

Toni: David Endress

Rolf: Florian Weber

Frau Simon: Martina Striegl

Franzl und Polizist: Daniel Retzer

Kathi: Andrea Reitinger

Makler: Hans-Jürgen Gmeiner

Amalias Geist: Andrea Kleber

Kantorin: Brigitte Beer

Bürgermeister: Gerhard Kühner

Bahnangestellter: Peter Kleber

 

Chor: Brigitte Beer, Georg Dippold, Irmgard Forster, Sophie Huber, Johannes Irlbacher, Gabi Kastner, Gerhard Kühner, Sigrid Künkler, Andrea Reitinger, Sabine Schwabl, Sarah Schwabl, Dorit Schmid, Martina Striegl, Uta Urban

 

Inszenierung: Nicole Schymiczek und Anja Noël

Bühne: Peter Engel

Kostüm: Eva Schwab

Regieassistenz: Tamara-Raphaela Hirschmann

Soundeffekte: Maximilian Hegner

Maske: Saskia Lang und Team

Technik: Marco Bäumler

Requisite: Stefanie Gallitzendörfer

Werkstatt: Stefanie Gallitzendörfer, Christian Hofmann, Marco Bäumler

Bühnenmalerei: Peter Engel, Julia Ludwig

 

Demnächst und aktuell auf dem Spielplan:

 

Kohlhiesels Töchter

Premiere: 23. Mai 2019 auf Burg Leuchtenberg

Landestheater Oberpfalz

 

THEATERtRÄUME: WOYZECK im Wehrturm

Premiere: 15. November 2019 in Nürnberg

 

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